Ungarn – Mit dem Wohnmobil ins Land der Magyaren

Planung und Vorbereitung
  Etappen:
>01.Etappe
-Schwelm<>St.Veit
>02.Etappe
-St.Veit<>Heviz
>03.Etappe
-Heviz<>Pecs
>04.Etappe
-Pecs<>Szeged
>05.Etappe
-Szeged<>Debrecen
>06.Etappe
-Debrecen<>Tokaj
>07.Etappe
-Tokaj<>Ürom
>08.Etappe
-Budapest
>09.Etappe
-Ürom<>Melk
>10.Etappe
-Melk<>Schwelm
  
Wenn ich ehrlich sein soll weiß ich im Nachhinein nicht mehr so richtig wie wir auf die Idee gekommen, sind mit unserem Wohnmobil nach Ungarn zu fahren. Wir wußten nicht viel über dieses Land – Plattensee, Gulasch, Puszta und Budapest- naja das war´s dann auch schon. Unser Plan die verschiedenen Regionen einschließlich Budapest bis zur angrenzenden Ukraine im äußersten Osten zu erkunden, stieß bei Freunden häufig auf Unverständnis. „Was wollt ihr denn in Ungarn??“ lautete die immer wieder gestellte Frage. Die Antwort war eigentlich sehr einfach: Land und Leute abseits der hinlänglich bekannten Highlights sehen und kennenlernen.

 

01.Etappe – Schwelm<>München<>Salzburg<>St.Veith

Sonntag – 01.07.2018

Wenn wir mit unserem Wohnmobil in Richtung Süden fahren ist ein Zwischenstopp in München praktisch obligatorisch. Die Gelegenheit für Familienbesuche ist wegen der großen Entfernung leider nur selten gegeben. Nach drei Übernachtungen auf dem Campingplatz im Münchner Ortsteil Thalkirchen geht es dann endgültig in Richtung Ungarn. Zunächst dient uns die A8 für eine zügige Verbindung bis Salzburg, also bis zur österreichischen Grenze. Vor dem Grenzübergang verlassen wir die Deutsche Autobahn und fahren nördlich von Salzburg in einem großen Bogen zur B158. Für die weitere Fahrt durch Österreich habe ich eine Route auf Landstrassen geplant. Die Gelegenheit  schon bei der Anreise die schönen Ausblicke auf die Seen- und Gebrigslandschaft zu genießen kann man sich einfach nicht entgehen lassen. Bei St. Gilgen begeistert uns ein erster Blick auf den bekannten Wolfgangsee und wenig später finden wir einen kleinen Parkplatz am Seeufer. Ideal für eine erste kurze Pause, einen Kaffee und einige Fotos. Danach geht unsere Fahrt weiter über Bad Ischl und Bad Aussee nach Pürgg im Oberennstal. Die gut ausgebaute B320 bringt uns zügig nach Liezen und die B146 weiter nach Admont. Der jetzt folgende Abschnitt ist ein echtes Highlight. Die Strasse verläuft  immer an der Enns entlang  und eröffnet uns fantastische Blicke auf das Hochtor, mit 2365m der höchste Gipfel der Gesäuse-Gruppe. Bei Hieflau halten wir uns nach Norden, biegen dann aber schon bald nach Osten ins Tal der Salza ab. Die kurvenreiche Strecke nach Mariazell ist nicht weniger schön und vor lauter tollen Ausblicken vergessen wir, dass unsere Reise heute ja eigentlich noch bis nach Ungarn weiter gehen soll. Wir fahren also etwas schneller auf der B21 bis in die Nähe der Wiener Neustadt. Von hier ist es zum Grenzübergang Klingenbach nicht mehr sehr weit. Leider will uns unser Navi immer wieder auf eine Autobahn leiten, aber für diese kurze Reststrecke wollen wir keine Mautgebühren mehr bezahlen. Bei der Suche nach einer Landstrasse, die nach Klingenbach und zur Grenze führt verfahren wir uns öfter. Es wird immer später und irgendwie sinkt die Lust noch länger mehr oder weniger planlos durch die Gegend zu irren. Konni sucht und findet mit Hilfe von Google einen Campingplatz in St.Veith an der Triesting, also eigentlich auf der falschen Seite der Wiener Neustadt. Der Platz heißt „Masei Mara“, was uns natürlich mehr an Afrika als an Österreich erinnert. Egal dann halt Afrika, Hauptsache endlich ein Platz zum Übernachten. Gegen 18:30 Uhr erreichen wir dann den Campingplatz, der an einem kleinen, künstlichen See und direkt neben einer Bahnlinie liegt. Auf dem ganzen Platz finden sich die bekanntesten afrikanischen Tiere aus Plastik und erklären die Namenswahl der Afrika begeisterten Betreiber des Campingplatzes. Unser Wohnmobil erhält gleich neben einem  Kamel in Originalgröße einen Stellplatz direkt am Ufer des Sees. Die Sanitäranlagen sind neu und sauber und nach einer Dusche genießen wir unser Abendessen und ein kühles Bier – natürlich alkoholfrei.

 

02.Etappe – St.Veith <> Fertörakos <> Sarvar <> Lenti <> Heviz

Montag – 02.07.2018 – St. Veith <> Fertörakos

Nach einer ruhigen erholsamen Nacht ohne Löwengebrüll starten wir nach dem Frühstück jetzt endlich in Richtung ungarische Grenze. Noch einmal geht es zurück zur Wiener Neustadt und von dort auf Schleichwegen ohne Autobahn zum Grenzübergang Klingenbach. Plötzlich sind wir in Ungarn. Von einer Grenze war absolut nichts zu bemerken – keine Schilder, kein Zoll geachweige denn eine Kontrolle. Die aktuelle Flüchtlingssituation hat wohl keinen Einfluss auf diese Grenze. Auch auf der entgegen kommenden Fahrspur passiert der Verkehr ebenfalls ungehindert die Grenze. Wir sind so überrascht, dass wir nicht einmal daran denken hier ein Foto zu machen. Unser erstes Ziel in Ungarn ist jetzt Sopron. Sopron soll laut Reiseführer das am besten erhaltene mittelarterliche Stadtzentrum von ganz Ungarn haben. Das wollen wir natürlich sehen,  um einen Campingplatz für die Übernachtung werden wir uns später kümmern.Ein Parkplatz in der Nähe des Zentrums ist zwar toll, allerdings gibt es ein paar Probleme mit der Bezahlung der Parkgebühr. Ungarn, die ich um Hilfe bitte, sind zwar sehr freundlich, können mir aber leider auch nicht helfen. Wir gehen das Risiko ein und verzichten notgedrungen auf einen Parschein. Schon nach wenigen Schritten stehen wir auf einem sehr hübschen Platz mit Blumenbeeten und bis ins alte Zentrum ist es auch nicht mehr weit. Die Information im Reiseführer war nicht falsch. Die Innenstadt ist tasächlich sehr gut erhalten. Ein ausgiebiger Bummel durch die Straßen und Gassen gibt uns reichlich Gegelegenheit zu fotografieren. Die Parksituation macht uns dann doch ein wenig Sorgen. Also gehen wir nach knapp 2 Stunden zurück zum Wohnmobil. Kein Strafzettel und der Innenraum hat sich dank der Schatten spendenden Bäume auch nicht sehr aufgeheizt. Unsere Suche nach einem Campingplatz in Sopron ist leider oder wie sich später herausstellt zum Glück nicht erfolgreich. Deshalb geht es nach Fertörakos ganz in der Nähe des Neusiedler Sees. Auf einem großen gebührenpflichtigen Parkplatz könnte unser Wohnmobil fpr eine Nacht stehen, sanitäre Anlagen gibt es allerdings nicht. Die Parkgebühr haben wir schon bezahlt also nutzen wir die Gelegenheit, das Umfeld ein wenig zu erkunden und natürlich um ans Ufer des Neusiedler Sees zu gehen. Der See begeisert uns nicht. Das grün-graue Wasser lädt absolut nicht zum Baden ein. Außerdem erschweren ein Schilfgürtel und ein steiniger Uferrand den Zugang zum Wasser. Etwas abseits gibt es einen schmalen Pfad der durch eine dichte Vegetation vom Parkplatz wegführt. Von hier bietet eine Reihe von Fischerhütten, zu denen ein langer Steeg führt, interessante Foto Motive. Die Hütten, die heute nicht mehr genutzt werden, kann man gebührnepflichtig besichtigen. So langsam wird es Zeit sich um einen Camping- oder Stellplatz für die Nacht zu kümmern. Die Informationen im Internet und in den einschlägigen Campingführern sind leider nicht so genau. Ein Campingplatz in Balf hat leider geschlossen und die Info eines Mitarbeiters, dass der Platz morgen offen sein soll nützt uns heute nicht viel. In Fertörakos hatte ich an einer Mauer Werbung für einen Campingplatz gesehen. Die Einfahrt erschien mir aber sehr schmal und dahinter sah es extrem eng aus. Was soll`s wir fahren zurück und probieren es. Die Durchfahrt ist wirklich sehr eng, aber die Außenspiegel müssen nicht eingeklappt werden. Die nächsten 30 Meter erfordern dann sehr langsames und vosichtiges Fahren. Es ist weiterhin sehr eng und die tief hängenden Äste der Obstbäume schrappen über die Solarpaneelen und das Dach. Dann öffnet sich das Gelände zu einer schöne Wiese mit weiteren Obstbäumen und Stellpätzen mit Stromanschluss zwischen den Bäumen. Wer hätte das gedacht. Hier stehen überwiegende Zelte und nur 2 oder 3 Wohnmwagen, die ausnahmslos Ungarn gehören. Wir sind froh, doch noch einen vernüftigen Platz für die erste Nacht in Ungarn gefunden zu haben. Die sanitären Anlagen sind zwar einfach, eigentlich sogar primitiv – aber sauber und der schon ältere Betreiber sehr freundlich und hilfsbereit. Unser erster Tag in Ungarn hat so trotz einiger Sucherei nach einem Campingplatz doch noch ein schönes Ende gefunden. 

Dienstag – 03.07.2018 – Fertörakos <> Sarvar

Nach einer angenehm ruhigen Nacht auf diesem gemütlichen Campingplatz bugsieren wir unser Wohnmobil wieder unter den tief hängenden Ästen und durch die schmale Einfahrt auf die Strasse. Zurück in Sopron leiten uns Strassenschilder schon bald auf die B84. Die gut ausgebaute Strasse führt nach Sarvar – unserem heutigen Ziel. Bei Lövo biegen wir dann allerdings auf die L8827 ab und folgen dieser Landstrasse, die uns immer nah zur österreichischen Grenze nach Köszeg bringen soll. Endlose Korn- und Maisfelder säumen diesen Streckenabschnitt, nur hin und wieder von einem Feld mit Sonnenblumen unterbrochen. Ein Feldweg neben einem steinernen Christus Kreuz lädt uns zu einer ersten kurzen Pause ein. Nach Köszeg ist es nicht mehr weit und ohne lange Suche bietet sich unter Bäumen ein schattiger Platz für unser Wohnmobil an. Schon kurz nach Beginn unseres Rundganges durch das Zentrum ist uns klar, dass Köszeg beeindruckender ist als Sopron. In der Altstadt der 12000 Einwohner zählenden Kleinstadt ist praktisch jedes Haus aufwendig renoviert und jede Gasse präsentiert uns schöne neue Eindrücke. Eine gute Gelegenheit, um die vielen interessanten und tip top renovierten Gebäude zu fotografieren. Besonders beeindruckend ist der Platz vor der Herz-Jesu-Kirche, deren spitzer Turm in den Himmel zu ragen scheint. Die elegante Form der Kirche hat uns neugierig gemacht. Das prachtvolle Innere steht Kirchen, die wir in anderen Städten besucht haben, in nichts nach – es gibt allerdings keine Malereien, dafür aber viele verschiedene kleinteilige Muster an den Säulen und Wänden. Auf dem Weg zurück zu unserem Wohnmobil macht ein „Etterem“ (ungarisch für Restaurant) Werbung mit einer ansprechenden Speisekarte und einem überdachten luftigen Vorraum. Mit der Speisekarte halten wir uns nicht lange auf, in Ungarn muss man ja Gulasch auf jeden Fall probieren – das ist quasi Pflicht – also wird auch Gulasch bestellt. Das Fleisch und die Beilagen sind schmackhaft und auch mein alkoholfreies Bier ist ok – unser erstes Essen in Ungarn hinterlässt einen guten Eindruck. In einem unserer Reiseführer wird ein Abstecher zur St.Vid Kapelle empfohlen, die oberhalb von Velem auf einem bewaldeten Berg liegt. Von dort soll es einen tollen Blick über das weite Land im Norden von Szombathely geben. Durch lichten Laubwald windet sich eine schmale aber gute Strasse bergauf. Nach längerem Suchen und Nachfrage bei einem ortskundigen Ehepaar finden wir schließlich den Parkplatz und ein Hinweisschild zur Kapelle. Der Ausblick ist allerdings eher dürftig. Die Aussichtsplätze sind mit Büschen fast zugewachsen, aber an einer Stelle findet sich dann doch eine Möglichkeit für einen Ausblick und ein Foto. Die uns schon von der Anfahrt her bekannte Strasse führt uns wieder hinunter Richtung Velem und von dort wieder an Feldern mit Getreide und Sonnenblumen entlang nach Osten nach Sarvar. Auf dem Weg dorthin steht dann der erste Storch unserer Ungarn-Reise auf einem Feld, das kurz vorher abgemäht wurde. Ungarn ist ja für seine vielen Störche bekannt, mal sehen wie viele Störche sich während unserer Reise noch zeigen werden. Unseren Campingplatz in Sarvar erreichen wir so gegen 18:00 Uhr. Der Platz liegt in der Stadtmitte neben einem großen Hotel und einem Thermalbad. Der Übernachtungspreis beeinhaltet  auch den Besuch des Themalbades. Vor dem endgültigen Aufbau unseres Wohnmobils ist deshalb erst einmal ein Besuch im Thermalbad angesagt. Im leicht schwefelhaltigen Wasser läst es sich wunderbar relaxen. Etwas müde, aber sehr zufrieden genießen wir den Abend unter der Markise unseres Wohnmobils.

Mittwoch – 04.07.2018 – Sarvar <> Lenti

Der Campingplatz in Sarvar ist nicht besonders schön aber trotz des nahe gelegenen Hotels und des Thermalbades war es während der Nacht erstaunlich ruhig. Über Sarvar gab es in zwei Reiseführern nichts zu lesen, nur im Band 34 der WOMO-REIHE wird die Burg von Sarvar erwähnt. Bevor wir unsere Weiterreise in Richtung Szombathely fortsetzten suchen wir uns einen Prakplatz in der Nähe der Burg. Konni verspürt keine große Lust für einen Rundgang durch die Burganlage und zieht es vor, im Wohnmobil zu bleiben. Mit meiner Kamera bewaffnet mache ich mich allein auf den Weg. Durch die doch recht intensive Bewölkung kommen die Gebäude und die Backsteinmauern der ringförmig angelegten Burg nicht so richtig zur Geltung. Nur der Haupteingang mit dem langen Zugang über den nicht mehr existierenden Wassergraben bietet eine interessante Perspektive die ich natürlich für ein Foto nutze. Der Rundgang dauert nicht lange, so dass mir noch Zeit für einen kurzen Abstecher in die Innenstadt von Saravar bleibt. Nur gut 250 Meter vom Haupteingang der Burg entfernt sprudelt Wasser aus einem modernen Brunnen auf einem Platz vor der evangelischen Kirche. Hier wird mir erstmals bewusst, dass wir bisher in jeder Stadt Brunnen gesehen haben, die auch tatsächlich in Betrieb sind. Szombathely ist nur etwa 50km von Sarvar entfernt, also nur eine knappe Stunde Fahrt bis ins Zentrum. Am Ende der Hauptstraße bietet sich ein gebührenpflichtiger Parkplatz an, ideal für einen Stadtbummel durch die Innenstadt. Szombathely hat deutlich mehr zu bieten als Sarvar – eine schöne Fußgängerzone , einen zentralen Platz mit einem kunstvoll gestalteten Brunnen und das „Iseum“, eine rekonstruierte Kultstätte,die im Rahmen einer Ausstellung über den ursprünglich von den Ägyptern praktizierten und später von den Römern übernommenen Isis Kult berichtet.  Nicht zu vergessen die Kathedrale Mariä Heimsuchung, eine der größten Kirchen in Ungarn. Das Iseum ist über die Mittagszeit leider geschlossen, aber die Kathedrale können wir besichtigen. Die prunkvolle Ausstattung mit rötlichen Marmorsäulen begeistert uns. Das Iseum öffnet erst wieder um 15:00 Uhr und so lange wollen wir nicht bleiben, denn bis zu unserem heutigen Übernachtungsziel sind es noch gut 2 bis 3 Stunden Fahrzeit. Noch einen Cappuccino und ein erfrischendes Eis in einem Cafe in der Fußgängerzone, dann geht es weiter. Unsere Route führt uns über Nebenstraßen durch eine wieder überwiegend landwirtschaftlich geprägte Region. Am frühen Abend erreichen wir Lenti und den Thermal Camping Platz.. Ein Besuch des angrenzenden Thermalbades steht heute nicht mehr auf unserer „Lust-Liste“. Abendessen, die Route für morgen planen und ein wenig fernsehen – das soll`s dann für unseren 3. Ungarntag gewesen sein. 

Donnerstag – 05.07.2018 – Lenti <> Heviz
Heute soll es möglichst schnell nach Heviz in der Nähe des Plattensees gehen, wo wir zwei Tage bleiben wollen, um von dort dann mit dem Bus einen Ausflug nach Keszthely direkt am Ufer des Plattensees zu machen. Das Landschaftsbild von gestern bleibt zunächst einmal gleich. Abgemähte Kornfelder mit gerollten Heuballen bis zum Horizont und darüber ein weißblauer Himmel wie in Bayern. Eine nicht sehr stark befahrene Nebenstrecke bringt uns relativ schnell nach Zalaegaerszeg, eine touristisch nicht wirklich interessante Stadt mit vielen Firmen, Wohnsiedlungen und Großmärkten. Wenn da nicht das Freilichtmuseum wäre, das in allen unseren Reiseführern immer sehr empfohlen wird. Es ist nicht ganz einfach, das Museumsgelände zu finden aber mit Hilfe einiger freundlicher Einwohner von Zalaegaerszek klappt es dann schließlich doch. Auf dem Museumsgelände wird das frühere Leben auf dem Lande mit alten Bauernhäusern und Ställen gezeigt und sogar  Tiere laufen frei herum. In einem der mit Stroh gedeckten Häuser sind die Original-Einrichtungsgegenstände wie z. B. Amboss, Esse und Feuerzangen einer alten Schmiede zu sehen. Ein anderes Haus zeigt uns eine Wohn- und Schlafstube wie sie im 19. Jahrhundert in dieser Region üblich war. Vor den Wohnhäusern sind typische Bauerngärten mit vielen blühenden Blumen angelegt. Eine Wassermühle mit einem Schaufelrad aus Holz komplettiert den dörflichchen Charakter dieser historischen Bauernsiedlung. Total gegensätzlich ist das auf dem gleichen Gelände errichtete Ölmuseum. Pumpen, Bohrtürme und etliche andere uns nicht bekannte technische Geräte, die man zur Ölförderung benötigt, werden hier gezeigt. Ich bin am meisten von einem alten LKW mit Kastenaufbau begeistert – ein Traum von Expeditionsfahrzeug, robust und unkaputtbar – sofern er denn vorher von Grund auf renoviert wurde. Fast drei Stunden haben wir in diesem Museum verbracht, jetzt wird es aber Zeit unsere Fahrt nach Heviz fortzusetzten. Eine gut ausgebaute Straße führt uns direkt nach Heviz. Der zur Castrum Gruppe gehörende Campingplatz ist gut ausgeschildert und schon bald steht unser Wohnmobil auf einem schönen schattigen Platz direkt neben dem Kanal, der vom Thermalsee in Heviz zum Plattensee führt. Eine gute Stunde später hat Konni unser Abendessen auf den Campingtisch gezaubert. Für den Rest des Tages steht dann nur noch Essen, Ausruhen und die Planung unseres morgigen Ausfluges nach Keszthely auf dem Programm.

Freitag – 06.07.2018 – Heviz
Heute ist Balaton Tag. Nach dem Frühstück gehen wir zu Fuß ins Zentrum von Heviz, wo die Busse nach Keszthely starten .Da ich Rentner und  über 65 Jahre alt bin kann ich den Bus kostenlos nutzen (das gilt übrigens für alle öffentlichen Verkehrsmittel in Ungarn). Für Konni kostet die einfache Fahrt  270,00 Forint, also 1 Euro (damaliger Kurs).  Nach etwa 20 Minuten ist der Busbahnhof in Keszthely erreicht und von dort sind es nur ein paar hundert Meter zum Ufer des Plattensees. Eine Strasse, die von Restaurants, Imbissbuden und Souvenirläden gesaumt ist führt zur Uferpromenade, die nicht wirklich viel zu bieten hat. Ein paar Fotos vom See, dann wenden wir uns der Innenstadt von Kesztheley zu. An einem hübschen Pavillon vorbei führt ein Fußweg durch einen Zauberwald, dessen Bäume über und über mit Efeu bewachsen sind, bis an den Rand des Zentrums. Hier beginnt eine Fußgängerzone, die uns an sehr gut restaurierten Gebäuden vorbei in Richtung des Schlosses von Keszthely leitet. Im hinteren Teil der Fußgängerzone gibt es einige Geschäfte und Restaurants und bunte Schirme hängen über den Köpfen der zahlreichen Besucher. Mit dem Besucherstrom lassen wir uns weiter in Richtung Schloss treiben.  Der erste Blick auf das feudale Gebäude und den davor angelegten Park überrascht und beeindruckt uns gleichermaßen. Uns war entgangen, dass es sich hier um das Barock Schloss Festetics handelt, das drittgrößte und eines der meistbesuchten Schlösser in Ungarn. Ein Bummel durch den vorderen und hinteren Schlosspark eröffnet uns eine Reihe von lohnenswerten Fotomotiven. Entsprechend lange dauert es, bis wir uns entschließen, wieder zu unserem Campingplatz zurückzufahren. Am hinteren Eingang zum Schlosspark gibt es eine Bushaltestelle und zum Glück hält hier auch der Bus, der wieder nach Heviz fährt. Der Rückweg zu unserem Campingplatz führt direkt an der Therme von Heviz vorbei. Eine Lücke im Zaun gibt uns die Möglichkeit, einen Blick auf den Thermalsee und die im warmen Wasser badenden Gäste zu werfen. Ein Bad wäre nach dem langen Stadtbummel sicher eine schöne Sache,
aber wir ziehen ein Bad im Kanal, der ja direkt an unserem Wohnmobil vorbei führ,t und  ein leckeres Abendessen im Restaurant auf unserem Campingplatz vor.

03.Etappe – Heviz <> Pecs
Samstag – 07.07.2018 – Heviz-Zalakaros
Es fällt uns nicht leicht, diesen schönen Stellplatz mit Blick auf den Heviz Kanal und die Seerosen zu verlassen. Klar, wir haben die Freiheit, noch länger zu bleiben, aber vor uns liegen noch fast drei Wochen in denen wir noch viel Unbekanntes von Ungarn auf uns wartet. Für heute steht eine Fahrt am Ufer des Plattensees auf unsererem Programm. Nachdem Keszthely hinter uns liegt schlängelt sich eine schmale Straße oberhalb des Sees durch kleine hübsche Ortschaften. Die Straße wird so eng, dass wir langsam Zweifel bekommen, ob uns etwa 2,30m breites Wohnmobil zwischen den links und rechts parkenden Fahrzeugen hindurch passt. Die Fahrt wird durch etliche Fahrradfahrer noch kniffliger, aber letztendlich gibt es eine Möglichkeit, zur Hauptstrasse und dann wieder zügiger nach Balatongyörok zu fahren. Am Ortsende von Balatongyörok entscheiden wir uns für einen Abstecher nach Sümeg. Eine Besichtigung der großen auf einem Hügel liegenden Burg wollen wir uns nicht entgehen lassen. Ein Parkplatz unterhalb der Burg ist schnell gefunden, dann warten knapp 100 Höhenmeter Aufstieg auf uns, bevor wir unsere Eintrittskarten kaufen können. Die Besichtigung der hervorragend restaurierten Burganlage ist kurzweilig und nimmt fast zwei Stunden in Anspruch. Ein Highlight der Besichtigung ist sicherlich der weite Blick über die Stadt Sümeg. Bei besonders guten Sichtverhältnissen ist unter Umständen sogar der Plattensee zu sehen. Neben dem Touristenrestaurant am Fuße der Burg macht uns ein Schild noch auf eine Ausstellung von alten Pferdefuhrwerken aufmerksam. Von herrschaftlichen Kutschen bis hin zu alten Feuerlöschfahrzeugen werden hier liebevoll restaurierte Fahrzeuge gezeigt. Eine weitere Stunde vergeht bis wir uns auf den Weg zurück zum Plattensee machen. Eine Nebenstrecke über Tapolca führt wieder auf die Uferstraße. Unsere Mägen erinnern uns daran, dass es inzwischen Mittag geworden ist und ein Restaurant für eine Pause nicht schlecht wäre. In Salföld, ca. 4km vom See entfernt, soll es ein kleines rustikales Restaurant geben, in dem Schnitzel vom Wollschwein serviert werden. Die 4km können uns nicht abhalten, diesem Tip zu folgen. Nach etwas Sucherei finden wir das Restaurant hinter Mauern versteckt. Ein kleiner Biergarten unter Bäumen und ein offener Grill machen einen sehr einladenden Eindruck und zwei freie Plätze an einem großen Tisch sind auch frei.
Der Biergarten ist nett und gemütlich, aber das gegrillte Fleisch vom Wollschwein ist nichts besonderes. Wir bleiben deshalb auch nicht so lange, sondern setzen unsere Fahrt entlang des Nordufers am Plattensee fort. Die Straße verläuft zwar immer in Ufernähe, aber leider ist der See wegen der Bebauung und des dichten Schilfgürtels nur selten für kurze Augenblicke zu sehen. Das gefällt uns natürlich überhaupt nicht. So fällt uns die Entscheidung, die Umfahrung des Plattensees abzukürzen, relativ leicht. Von der Spitze der Halbinsel Tihany gibt es die Möglichkeit, mit der Fähre auf die Südseite des Plattensees zu fahren. Wir überlegen nicht lange und wählen diese Abkürzung, zumal es auch schon auf den Spätnachmittag zugeht. Die Uferstraße auf der Südseite ähnelt der Straße auf der Nordseite sehr. Auch hier ist vom See nicht wirklich viel sehen. Die Suche in unserem Reise-/Campingführer aus der WOMO-REIHE ist erfolgreich. In Zalakaros gibt es, wie soll es in Ungarn auch anders sein, einen Campingplatz mit angegliedertem Thermalbad. Der Platz ist nicht besonders gut ausgeschildert, aber nach etwas längerer Sucherei steht unser Wohnmobil dann endlich auf einem schattigen Platz. Der Aufbau dauert nicht lange, nach der 6. Nacht hat sich eine Routine mit sinnvoller Rollenverteilung ergeben. Wohnmobil ausrichten, Strom anschließen und den Wassertank überprüfen ist mein Part, Konni kümmert sich um den Fernseher und unser Abendessen. Zum Baden im Thermalbad sind wir zu müde. Wir genießen den Abend vor und in unserem Wohnmobil und sind gespannt, was uns der nächste Tag in Ungarn bringen wird.

Sonntag – 08.07.2018 – Zalakaros – Pecs
Der Aufenthalt auf dem Campingplatz in Zalakaros war absolut in Ordnung.Trotzdem machen wir uns nach dem Frühstück gleich auf den Weg in Richtung Nagyakanzsa. Die Stadt ist in Reiseführern praktisch nicht erwähnt, weshalb sie auch für uns nur eine Durchgangsstation ist. Eine neu erbaute  Mall mit verschiedenen auch aus Deutschland bekannten Geschäften läßt uns dann aber doch anhalten. Die Neugier, welche Pordukte zu welchen Preisen angeboten werden, treibt uns an. Neben Deichmann und H&M gibt es auch ungarische Marken, die uns natürlich unbekannt sind. Konni nutzt die Gelegenheit und begutachtet das Angebot der lokalen Märkte, die durchaus akzeptable Produkte im Sortiment haben. Auf dem weiten Gelände entdecken wir auch einen ALDI-Supermarkt. Unsere Vorräte müssen aufgefüllt und ergänzt werden. Das Angebot unterscheidet sich nicht sehr von den uns bekannten Deutschen  Lebensmitteln – ungarische Spezialitäten gibt es aber natürlich auch. Nachdem unsere Einkaufsaktivitäten erledigt sind folgen wir der Bundesstraße 61 in Richtung Kaposvar. Von dort könnten wir auf direktem Weg nach Pecs, unserem heutigen Ziel fahren. Die gesamte Fahrstrecke ist allerdings nicht sehr lang, weshalb sich ein Abstecher nach Süden in Richtung Barcs in die Nähe der ungarisch-kroatischen Grenze anbietet. Nagybajom, bekannt als die Storchenstadt in Ungarn, liegt auf dem Weg. Da müssen wir selbstverständlich hin, denn Storchenfotos stehen auf unserer fotografischen Todo-Liste ganz oben. Auf der Fahrt dorthin begleiten uns wieder weite Sonnenblumenfelder, deren sattes Gelb schon fast unnatürlich wirkt. Am Ortseingang von Nagybajom empfängt uns dann ein großes Schild mit mit Informationen über das „Europäische Storchendorf“. Im Jahr 1998 brüteten hier 33 Storchenpaare, eine beachtliche Anzahl für einen so kleinen Ort. Leider ist bei der Ortsdurchfahrt nicht ein einziges Storchennest zu sehen, geschweige denn Störche – wir sind enttäuscht. Im Reiseführer (man sollte eben vorher die Informationen genau lesen) wird darauf aufmerksam gemacht, dass die von den Störchen genutzten Strommasten mit Straßenlaternen aufgestockt wurden. Das war den Störchen dann wohl zu hell. Also geht es ohne Storchenfotos weiter in Richtung Barcs. eine gut ausgebaute Straße führt uns direkt nach Süden und nach Barcs. Barcs unterscheidet sich nicht wesentlich von Nagykanisza, also auch touristisch nicht interessant. Wir überlegen kurz, ob wir von Barcs jetzt den direkten Weg nach Pecs nehmen sollen oder ob wir einen Schlenker nach Norden machen und über Kaposvar  auf der Bundesstraße 66 zu unserem Campingplatz fahren sollen. Wir entscheiden uns für die letztere Variante. Heute wird wohl unser „Überlandfahrtag“ werden, aber das ist ok. Schon nach 25km Fahrt zeigt sich, dass unsere Entscheidung richtig war. Auf dem Schornstein eines Coop Marktes hat sich ein Storchenpaar niedergelassen. Also gibt es heute doch noch Storchenfotos. Die Bedingungen sind allerdings nicht ideal – bedeckter Himmel, und einige Stromkabel erlauben nur etwas unbefriedigende Fotos, aber immerhin Storch ist Storch. So gegen 18:00Uhr erreichen wir unseren Campingplatz in Pecs. Die ältere Besitzerin führt ein strenges Regiment und weist uns einen betonierten Stellplatz unter Bäumen zu.Bei aller Strenge ist sie bemüht, uns einige gute Tipps für unseren morgigen Besuch der Innenstadt von Pecs zu geben. Wir freuen uns auf die  „Kulturhauptstadt Europa 2010“.

 

 

Montag – 09.07.2018 Pecs
Die Campingplatzbesitzerin hatte uns am Vorabend ein Merkblatt mit Tipps und nützlichen Hinweisen für unseren heute geplanten Besuch von Pecs gegeben. Sehr gut war die Empfehlung, mit dem Bus, der nur etwa 300m vom Campingplatz entfernt hält, in die Innenstadt zu fahren. Die Linie 2 bringt uns in nur 15 Minuten zum südlichen Rand des Zentrums. Nach wenigen Schritten stehen wir auf dem Kossuth ter, einem großen Platz am Beginn des historischen Stadtzentrums. Hier beginnt unsere „Pecs-Entdeckungstour“. Eine schmale Gasse führt uns direkt zu dem schönen Gebäude, in dem die örtliche Post untergebracht ist. In der Ferne ist schon der Szechenyi ter und die Gazi Khasim Moschee zu sehen, die heute eine christliche Kirche ist. Die ehemalige Moschee wollen wir uns auf jeden Fall näher ansehen, aber vorher bummeln wir noch ein wenig durch die umliegenden Straßen und Gassen. Eine Straße schöner wie die andere. Unsere Kameras kommen kaum zur Ruhe. Die Zeit vergeht wie im Fluge und es ist langsam Zeit ans Mittagessen zu denken. Auf dem Weg vom Kussuth ter zum Postgebäude hatten wir einige nette Restaurants gesehen. Der Weg dorthin dauert nicht sehr lange und schon bald sitzen wir im „Oliva Etterem“, einem kleinen Restaurant mit einem hübschen überdachten Biergarten. Das aktuelle Mittagsmenü startet mit einer kalten Obstsuppe, danach gibt es Hähnchenfilets mit Reis und Salat. Zusammen mit einer Cola Light und einem alkoholfreien Bier zahle ich insgesamt 2.910 Forint, also umgerechnet etwa € 9,00 – gut und preiswert, was will man mehr? Die Gazi Khasim Moschee interessiert uns sehr. Wir gehen zurück zum Szechenyi ter und zum Eingang der ehemaligen Moschee und kaufen ein Kombiticket für die Moschee und die Peter und Paul Basilika incl. einem Kaffee im „Dom Cafe“. Das Innere der Moschee beeindruckt uns weit mehr als die Architektur des im islamischen Stil erbauten Gebäudes. Die Kombination von islamischem Baustil, einem Altar und christlichen Wandmalereien mutet im ersten Augenblick etwas seltsam an. Bei längerer Betrachtung fügt sich aber doch alles harmonisch zusammen. In den labyrinthartigen Gängen des Untergeschosses sind die Gebeine von 6 Märtyrern begraben, aber auch die sterblichen Überreste von reichen Bürgern der Stadt liegen hier. Wer Pecs besucht sollte die Moschee auf jeden Fall in sein Programm aufnehmen. Uns bleibt noch genug Zeit, um mit unserem Kombiticket auch die Peter und Paul Basilika zu besichtigen. Die 4 imposanten Türme der Basilika sind schon von weitem sichtbar und der Weg dorthin leicht zu finden. So beeindruckend das Kirchengebäude auch ist, das Innere übertrifft einfach alle Kirchen die wir bisher gesehen haben. Der Anblick der überbordenden Pracht der Marmorsäulen und des mit einer Art Baldachin überdachten Altars erschlägt uns fast. Natürlich muss das fotografiert werden, aber die Lichtverhältnisse sind nicht besonders gut. Entsprechend lange dauert es bis ein paar gute Fotos gelingen. In fast jeder Ecke der Kirchen sind kleine, aber sehr interessante Details zu finden, die auch das eine oder andere Foto lohnen. Vor dem Kaffee im Dom Cafe ist noch die Besteigung der Türme der Basilika angesagt. Etliche Stufen führen in die Höhe. Oben werden wir dann mit einem weiten Blick über Pecs und das Umland nach diesem schweißtreibenden Aufstieg entschädigt. Am bisher makellos blauen Himmel haben sich inzwischen dicke weiße Sommerwolken gebildet. Auf dem Weg zurück zur Busstation beginnt es zu regnen, eine angenehme Abkühlung an diesem warmen Sommertag. Die Rückfahrt zum Campingplatz gestaltet sich genauso einfach wie die Fahrt am Vormittag in die Innenstadt. Am Abend lesen wir in unseren Reiseführern noch einmal die Artikel über Pecs und lassen so die Highlights dieser tollen Stadt noch einmal Revue passieren.    

04.Etappe – Pecs <> Szeged
Dienstag – 10.07.2018 – Pecs <> Kalocsa
Unser heutiges Tagesziel heißt Kalocsa und liegt nordwestlich von Pecs. Zunächst fahren wir aber südwärts in Richtung Harkany und Siklos. Beide Städte liegen nicht weit von der rumänischen Grenze entfernt in der Region Villany, die für ihren Weinanbau bekannt ist. Die Route führt uns schon bald durch eine hügelige Landschaft an ausgedehnten Weinfeldern vorbei zum kleinen Ort Villany. Hier reiht sich eine Weinprobierstube an die nächste. Natürlich halten wir an und gehen in die nächstgelegene „Bor“ – so heißen die Weinprobierstuben in Ungarn. Eine junge Ungarin bietet uns Weißwein, Rotwein und „roten“ Weißwein zum Probieren an. Die Weine schmecken deutlich besser als erwartet und wir entscheiden uns, von jeder Sorte 2 Flaschen zu kaufen. Die Mitarbeiterin stellt uns 4 Plastikflachen a 2,0L mit den von uns ausgewählten Weinen auf die Theke. Wir sind nicht wenig überrascht, denn Wein in Plastikflaschen haben wir wirklich nicht erwartet. Auf unsere Fragen nach Wein in Glasflaschen ernten wir nur Verwunderung. Der Wein in den Plastikflaschen wäre 100% gleich mit dem Wein in den Glasflaschen, aber nur etwa 1/3 so teuer. So ganz überzeugt sind wir nicht, entscheiden uns dann aber doch für 4 Plastikflaschen, ergänzen unseren Einkauf noch mit 6 Glasflaschen (Mitbringsel für Freunde und Verwandte) und verstauen alles in der Heckgarage unseres Wohnmobils.  Bei Mohacs trifft unsere Route erstmals auf die Donau. Die Spiegelung des blauen Himmels lässt die Donau wirklich blau aussehen. Nach einem kurzen Halt geht es auf einer gut ausgebauten Straße weiter nach Norden bis nach Szekszard. Die Weinprobe hat doch einige Zeit in Anspruch genommen, weshalb wir auf einen Halt in Szekszard verzichten und der Donau flussaufwärts weiter folgen. Am späteren Nachmittag erwartet uns in Gerjen dann eine böse Überraschung. Die Fähre, die uns ans andere Donauufer bringen sollte, hat den Betrieb eingestellt. Zwei Monteure, die an einem Schiff arbeiten, erklären mir, dass es Streitigkeiten zwischen den Bürgermeistern von Gerjen und Kalocsa gab. Dies hat dazu geführt, dass die Genehmigung für den Fährbetrieb nicht mehr erteilt wurde. Zum Glück geben uns die beiden den Hinweis, etwa 30 Kilometer zurückzufahren und dann über eine Brücke auf das andere Donauufer zu wechseln. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als diesem Ratschlag zu folgen. Nach etwa 60 Kilometer Umweg erreichen wir dann Kalocsa und nach weiteren 10 Kilometern den kleinen Campingplatz am Donauufer. Unser Wohnmobil parken wir auf der Rückseite eines Lagergebäudes, das uns ein wenig Schatten gibt – unsere Übernachtung ist gesichert. Ein Donau-Kreuzfahrtschiff legt nicht weit von unserem Campingplatz an und wenig später werden die Passagiere von mehreren Bussen abgeholt und zum Essen oder einer Folklore Veranstaltung nach Kalocsa gefahren. Wir machen nach dem Abendessen in unserem Wohnmobil noch einen kleinen Verdauungsspaziergang am Donauufer und genießen den fantastischen Sonnenuntergang, der uns tolle Fotos beschert.

Mittwoch – 11.07.2018 – Kalocsa <> Szeged
Noch vor dem Frühstück überrascht uns eine Schar Kinder, die ihre Fahrräder kreuz und quer vor unserem Wohnmobil abstellen. Nur wenige Meter von unserem Wohnmobil entfernt sind zwei Zelte aufgebaut. Die verbringen hier in einem Ferienlager den Tag mit Spielen, Toben und Essen. Wir lassen uns durch die fröhlich lachenden und durcheinander brabbelnden Kinder bei unserem gemütlichen Frühstück nicht stören. Mit etwas Kurverei gelingt es uns, den Campingplatz ohne Beschädigung eines der herumliegenden Fahrräder zu verlassen und in Richtung Kalocsa zu fahren. Kalocsa ist keine besonders auffällige oder interessante Stadt, aber für einen Halt und einen kurzen Spaziergang durch die Innenstadt ist immer genug Zeit. Natürlich gibt es auch hier wieder einen Brunnen – nicht sehr groß, aber wieder ein Beweis, dass es in jeder ungarischen Stadt mindestens einen sprudelnden Brunnen gibt. Während der Fahrt durch eine ländliche Gegend suchen wir immer wieder nach Störchen auf den abgemähten Feldern. Unsere Augen sind schon auf Störche trainiert und tatsächlich entdeckt Konni einige von ihnen wieder auf einem abgeernteten Feld. Allerdings halten sich die begehrten Fotoobjekte nicht direkt neben der Straße auf. Mit Hilfe der Teleobjektive gelingt dann doch das eine oder andere Foto. Die Fotos haben jedoch mehr Dokumentationscharakter, schöne Fotos von Störchen sehen anders aus. Rechtzeitig zur Mittagszeit machen Schilder Werbung für ein nett aussehendes Restaurant – „Malom Csarda es Pizzeria“. Nach Pizza gelüstet es uns nicht, aber auf der umfangreichen Speisekarte finden wir ein Mittagsmenü, das uns anspricht. Nach einer kalten Gemüsesuppe gibt es frittiertes Hähnchen mit Bratkartoffeln und etwas Salat, danach noch eine kleine Süßspeise. Incl. der Getränke bezahle ich 3660 Forint, also knapp 12 Euro. Preiswerter können wir auch im Wohnmobil nicht kochen. Bei der Weiterfahrt in Richtung Szeged wird dann unsere Sehnsucht nach guten Storchenfotos endlich erfüllt. Auf einem Strommast hat sich ein Storchenpaar niedergelassen, um zwei junge Störche groß zu ziehen. Das Nest ist leider auch wieder ziemlich weit entfernt. Also kommen die Teleobjektive wieder zum Einsatz. Am späten Nachmittag erreichen wir dann den Campingplatz in Szeged am Ufer der Theiß. Ein Stellplatz mit Stromanschluss und Fernsehempfang in Ufernähe ist auf dem weitläufigen Gelände schnell gefunden. Nach einem ausgiebigen Bad in dem zum Campingplatz gehörenden Thermalbad und einem nicht ganz so üppigen Abendessen – wir hatten ja mittags gut gespeist – können wir das schöne milde Abendlicht an der Theiß genießen. Morgen geht es dann zu Fuß über die nahe gelegene Brücke auf die andere Uferseite, um das Zentrum von Szeged zu erkunden.

Donnerstag – 12.07.2018 – Szeged
Die Nacht war einfach nur schrecklich. Von einem Party Schiff am anderen Ufer der Theis schallte bis in die frühen Morgenstunden laute Disco Music zu uns herüber. An Schlaf war nicht zu denken. Nachdem wir dann doch ein paar Stunden Schlaf in den frühen Morgenstunden getankt hatten, steht unserer Erkundung des Zentrums von Szeged nichts mehr entgegen. Unmittelbar nach Überquerung der „Belvarosi hid“ Brücke empfängt uns ein nicht zu übersehendes Logo von Szeged. Ein paar Schritte weiter bietet ein sehr schön angelegter Park mit verschiedenen Skulpturen erste lohnende Fotomotive. Aber auch alte gut restaurierte Fassaden begeistern und motivieren uns, Fotos zu machen. Vor dem Weiterweg ins Zentrum holen wir uns erst einmal interessantes Informationsmaterial im Büro „Szeged tourinform“. Der Weg zum Dom – auch als Kathedrale bezeichnet – von Szeged führt uns durch eine Fußgängerzone und eine Einkaufspassage mit einem – wie sollte es anders sein – schönen frisches Wasser sprudelnden Brunnen. Die Einkaufspassage unterscheidet sich überhaupt nicht von denen, die wir von Hagen oder Wuppertal kennen. Der Zustand des Doms ist einfach fantastisch, was aber nicht verwundert. Schließlich wurde er mit 2,1 Milliarden Forint aus Mitteln der EU und des ungarischen Staates renoviert und erneuert. Auf dem Rückweg zum Campingplatz kehren wir im „KAVEHAZ A CAPELLA“ ein. Es ist angenehm warm und ein Tisch vor dem Cafe ist frei. Da es heute kein Mittagessen gab, spricht nichts dagegen nicht nur einen Cappuccino sondern auch noch einen leckeren Eisbecher zu bestellen. Das Eis ist nicht billig schmeckt aber ausgezeichnet und der Cappuccino weckt unsere vom langen Stadtbummel müden Geister wieder etwas. Der fehlende Schlaf der letzten Nacht macht sich bemerkbar. Der Rückweg zum Campingplatz auf der anderen Seite der Theiß zieht sich dann ganz schön in die Länge – empfinden wir jedenfalls so. Ein Bad im warmen Wasser des Thermalbades nach dem Abendessen lässt uns dann so müde werden, dass wir in dieser Nacht trotz erneuter Disco Musik tief und fest schlafen.

05.Etappe – Szeged <> Debrecen

Freitag – 13.07.2018 – Szeged <> Bugac
Die zweite Disco Nacht war nicht ganz so schlimm wie die erste. Mit der Aussicht auf eine ruhige Nacht fällt uns der Abschied von diesem Campingplatz nicht besonders schwer. Nach den schönen interessanten Stadtbesichtigungen wollen wir jetzt endlich in die Puszta und zwar in die Bugac Puszta, die etwa 80 km weiter im Norden von Szeged liegt. Keine sehr lange Fahrstrecke, so dass uns der auf halber Strecke liegende Nationale Historische Gedenkpark Òpusztaszer eine willkommene Gelegenheit bietet, unsere Fahrt für eine Besichtigung zu unterbrechen. In Ungarn heißt es „hier wurden die Sachen des Landes erledigt “ und „hier ist Ungarn geboren“ – das können wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Unmittelbar hinter dem Eingang zieht ein monumentales Gebäude sofort die Blicke auf sich. Im Inneren werden verschiedene Relikte aus dem Krieg gezeigt, in denen die Magyaren früher gelebt haben. Das Highlight ist allerdings das Feszty-Panorama, ein Rundgemälde mit mehr als 120m Länge und 15m Höhe. Das imposante Bild zeigt die Eroberung Ungarns durch den Volkshelden Fürst Àrpàd mit vielen Details, die Menschen und Ausrüstung dieser Zeit zeigen. Leider ist das Fotografieren strengstens verboten, so dass ich kein Foto zeigen kann. Im weitläufigen Park werden verschiedene Zimmer in historischen Gebäuden mit alten Einrichtungen wie zum Beispiel ein Klassenzimmer und ein Fotolabor gezeigt. Besonders interessant finden wir allerdings einen original nachgebauten Tante Emma Laden, in dem man sogar wirklich einkaufen kann. Um das ganze Freigelände zu erkunden braucht man eigentlich einen ganzen Tag. So lange bleiben wir nicht, denn unser Ziel für heute ist nach wie vor die Bugac Puszta. In Csongrad erinnert uns die Werbung eines ALDI Supermarktes daran, dass unsere Vorräte wieder aufgefüllt werden müssen. Das Angebot ist wie bei uns in Deutschland sehr groß und neben den uns bekannten Lebensmitteln gibt es natürlich auch regionale Produkte. Mit gefülltem Kühlschrank geht es weiter über Kiskunfèlegyhaza nach Bugac. Schilder weisen uns den Weg zum Karikàs-Csàrda Restaurant. Von hier starten die Pferdewagen, die uns morgen in die Puszta bringen sollen. Hinter dem Restaurant gibt es einen ruhigen zum Teil schattigen Stellplatz. Der Stellplatz ist kostenpflichtig, bietet aber Strom und vernünftige sanitäre Anlagen. Wir sind zufrieden, genießen noch ein Abendessen im Restaurant und nutzen die Gelegenheit, bei einem Abendspaziergang die ersten Fotos in der Puszta zu machen. Das Einschlafen fällt uns heute nicht schwer, der fehlende Schlaf der letzten Nächte fordert seinen Tribut.

Samstag – 14.07.2018 – Bugac <> Cserkeszölo

Mit dem Frühstück müssen wir uns heute nicht beeilen. Die Pferdewagen starten erst so gegen 10:00 Uhr. Bereits 30 Minuten vorher stehen schon gut 20 Personen am Abfahrtsplatz, die alle in die Puszta wollen. Zum Glück sind wir schon
im Besitz der Tickets, so dass unsere Plätze in einem Wagen gesichert sind. Insgesamt 3 Wagen stehen bereit und alle finden einen Platz auf den harten Bänken. Anfangs geht es im Schritt, später im Trab über die sandige holperige Piste. Die Passagiere werden ordentlich durchgeschüttelt und einige sind froh, endlich am Ziel ausstiegen zu dürfen. Mitten in der Puszta befindet sich ein Ausstellungspavillon und ein Bauernhof mit Rindern, Schweinen, Eseln und natürlich Pferden. Nach einem kurzen Rundgang
durch den Pavillon, in dem alte Bekleidung, Werkzeug und Zelte gezeigt werden schauen wir uns im Bauernhof um. Dann ist es endlich soweit, die Reitervorführungen beginnen. Zunächst zeigen die Reiter Dressurstücke mit ihren Pferden. Auf Befehl setzten sich die Pferde auf ihr Hinterteil, legen sich auf den Boden und lassen den Reiter auf ihrem Bauch stehen. Am meisten beeindrucken uns die Reitvorführungen. In vollem Galopp schlagen die Reiter mit einer Peitsche einen Kegel von einem Baumstamm und das treffsicher mehrmals hintereinander. Das Highlight der Veranstaltung ist eine Vorführung, bei der ein Reiter vier Pferde gleichzeitig im Galopp antreibt und dabei mit je einem Bein auf dem Rücken der beiden hinteren Pferde steht. Eine tolle, man kann sagen, zirkusreife Vorführung. Ich finde sie viel besser, da alles im Freien mit wirklich viel Tempo passiert. Nach etwa 1 Stunde ist das Spektakel vorbei und wir werden mit den Pferdewagen wieder zurück zum Karikàs-Csàrda Restaurant gebracht. Der kurze Ausflug in die Puszta hat sich gelohnt. Wir setzen unsere Fahrt in Richtung Cserkeszölo fort, halten dann aber ungeplant schon wieder in Keksmemet an, da wir im Vorbeifahren interessante Gebäude mit schönen Fassaden entdeckt haben. Bei einem Bummel durch die Innenstadt fällt uns natürlich die im Barockstil errichtete „Große Kirche“ auf, die nicht nur groß ist sondern auch so heißt. Der Cifra Palast mit seiner auffälligen Fassade ist aber nicht minder interessant. Die Fassade ist vollständig mit bemalten Majolikaplatten aus Porzellan verziert. Aufs Mittagessen verzichten wir heute, ein sehr leckeres Eis ist bei den hohen Temperaturen ein willkommener Ersatz. Kurz vor Erreichen unseres Campingplatzes in Cserkeszölo überqueren wir noch einmal die Theiß, dann weisen uns Schilder ohne Probleme zum Campingplatz. Vor den Erfolg haben die Götter ja bekanntermaßen den Schweiß gesetzt. Bevor unsere Fernsehantenne das Abendprogramm liefert, muss ich mir eine Leiter besorgen und die Antenne mit WD40 wieder gängig machen. Dann dreht sich das gute Stück wieder und findet nach wenigen Minuten die richtige Richtung für den Empfang. Der Abend ist gerettet.  


Sonntag – 15.07.2018 – Cserkeszölo <> Debrecen
Heute haben wir eine längere Fahrstrecke vor uns, aber schon nach wenigen Kilometern führt unsere Route zum Körös. Eine Brücke führt bei Kunszentmàrton über den von Norden kommenden Fluss. Auf der linken Seite steht eine Säule, die eine Krone trägt und gleichzeitig als Wasserfontäne fungiert. Das sieht interessant aus. Ein Parkplatz ist auch in der Nähe, also steht einem kurzen Fotostopp nichts mehr im Wege. Wenn man erst einmal mit der Kamera in der Hand unterwegs ist entdeckt man meistens noch mehr schöne Motive. So geht es uns auch und aus dem kurzen Fotostopp wird ein kleiner Foto Walk. Eine gut ausgebaute Straße, die man mit einer Bundesstraße in Deutschland vergleichen könnte, bringt uns nach Bekescsaba und weiter nach Gyula in der Nähe der rumänischen Grenz. Hier ist eine Pause Pflicht, denn in unserem Reiseführer habe ich gelesen, dass es in Gyula die
„Hundertjährige Konitorei“ gibt. Ein Parkplatz für unser Wohnmobil ist schnell gefunden. Bevor wir auf die Suche nach dem „Hundertjährigen Cafe" gehen, bummeln wir erst einmal durch die Stadt zum Schloss, das eigentlich eine gotische Burg ist. Auf eine Besichtigung verzichten wir, denn wir haben uns auf die "Hundertjährige Konditorei" eingeschossen. Ein paar Fotos von der hübschen Innenstadt müssen aber sein, dann hält uns nichts mehr. Die berühmte Konditorei ist dann relativ einfach zu finden. Das Angebot an Kuchen und feinen Pralinen ist überwältigend, aber es gibt auch hausgemachtes Eis und meiner Frau ist sofort klar, was ich bestellen werde. Die Inneneinrichtung des Cafe's macht dem Namen alle Ehre. Die Biedermeier Einrichtung versetzt uns in die Zeit zurück als das Cafe eröffnet wurde. Da es sehr warm ist, entscheiden wir uns für einen Platz im schattigen Vorgarten – auch sehr nett. Von Gyula geht es auf kleinen Nebenstraßen nach Norden in Richtung Debrecen. Anfangs sind es noch Straßen mit einigen geflickten und offenen Schlaglöchern, dann erwischen wir aber eine nicht asphaltierte Straße. Eigentlich ist das keine Straße sondern eine Schotterpiste und bei mir kommt sofort ein wunderbares Off Road Feeling auf. Bei Konni überwiegt allerdings die Sorge, ob unser Wohnmobil die Fahrt ohne Schaden überstehen wird. Mit einem angepassten niedrigen Tempo kommen wir zwar nur langsam aber ohne Schaden am Fahrzeug voran. Wir sind weit im Osten von Ungarn und fahren durch eine fast menschenleere Landschaft mit kleinen bäuerlichen Anwesen. In einem Gehege direkt am Straßenrand läuft eine große Schar Gänse aufgeregt hin und her. Das Gehege liegt so nahe an der Straße, dass wir ohne Probleme fotografieren können ohne das Wohnmobil zu verlassen. Einige Kilometer weiter zieht ein verwilderter Friedhof unsere Aufmerksamkeit auf sich. Mehrere Grabsteine stehen auf einer wild wuchernden Wiese. Allerdings sind die Grabsteine mit künstlichen Blumen geschmückt, die nicht den Eindruck machen als ob sie schon lange der Witterung ausgesetzt wären. Ein etwas pittoreskes Bild, aber natürlich ein außergewöhnliches Fotomotiv. Die Reihe der Storchennester, die wir wenig später in einem kleinen Ort sehen, ist vielleicht nicht so außergewöhnlich aber auf jeden Fall nicht weniger schön. Endlich sehen wir mal Störche auf ihren Nestern so wie wir  es uns vorgestellt haben. Leider ist der Campingplatz in der Nähe von Debrecen, den ich für die heutige Übernachtung vorgesehen hatte, geschlossen. Ein Schild an der Einfahrt signalisiert, dass der Platz zu verkaufen ist. Das nützt uns allerdings nicht viel. Nach etwas Sucherei und mit Glück finden wir dann einen Platz in Debrecen und stellen unser Wohnmobil unter hohen Bäumen ab. Unsere Nachbarn kommen aus Stuttgart. Der Mann hat ungarische Wurzeln und spricht perfekt ungarisch. Bei einem Gläschen Wein erfahren wir viel Interessantes über Ungarn bevor wir ziemlich spät in unserem Wohnmobil Schlafzimmer verschwinden.        

 

06.Etappe – Debrecen <> Tokaj
Montag – 16.07.2018 – Debrecen <> Hortobagy
Debrecen liegt zwar schon sehr weit im Osten von Ungarn, aber unsere Reiseplanung sieht vor, bis fast an die rumänische Grenze zu fahren. Wir wollen auch den Osten kennenlernen, der noch weniger dicht besiedelt ist und wirtschaftlich zu den ärmsten in Ungarn zählt. Das Wetter zeigt sich heute mal regnerisch. Immer wieder erwischen uns Schauer, die die Luft auffrischen und säubern. In Nirbator halten wir kurz an. Es gibt hier nichts Besonderes zu sehen, aber ein „Beweisfoto“ muss sein. Wir entscheiden uns, von hier wieder nach Westen zu fahren und erreichen schon bald Nyiregyhaza, eine Stadt mit gut 120.000 Einwohnern. Auf eine Besichtigung der Innenstadt verzichten wir. Stattdessen verbringen wir auf einem Lidl Parkplatz unsere Mittagspause und nutzen die Gelegenheit, unsere Vorräte wieder einmal aufzufrischen. Unser nächstes Ziel ist Hortobagy im Hortobàgyi Nemzeti Park. Der Nationalpark liegt in einem Seengebiet, das von einer Steppenlandschaft umgeben ist – also noch einmal zurück in die Puszta. Wir entscheiden uns für die nach Süden führende Schnellstraße, die uns eigentlich wieder zurück nach Debrecen bringen würde. Bevor die breite Straße wieder den Ortsrand von Debrecen erreicht, biegen wir nach Hajdùböszörmeny ab. Die Ortsnamen sind hier im Osten Ungarns noch unaussprechlicher als im Westen. An der Ostseite des Hortobàgyi Nemzeti Parks angekommen, klart der Himmel langsam auf und die Sonne zeigt sich wieder. Das fantastische Licht und die beeindruckenden Wolken sind natürlich Fotomotive, die wir uns nicht entgehen lassen wollen. Immer wieder finden sich Parkmöglichkeiten, um anzuhalten und zu fotografieren, bevor wir dann am späteren Nachmittag unseren Campingplatz am Ortsrand von Hortobagy erreichen. Die langsam untergehende Sonne verspricht schöne Fotos vom Sonnenuntergang. Vor dem Abendessen mache ich mich noch auf den Weg in Richtung Horotbagy. Sehr weit komme ich allerdings nicht. Bei einem Gehege mit zwei großen starken Bullen bleibe ich hängen. Der Reiz diese beiden Kraftprotze zu fotografieren ist einfach zu groß. Die Burschen sind ziemlich agressiv, aber hinter dem zwar recht dünnen Drahtzaun fühle ich mich doch einigermaßen sicher. Ein paar Fotos gelingen dann auch und zufrieden gehe ich zum Campingplatz zurück, wo Konni schon mit dem Abendessen auf mich wartet. Wir sind auf die morgige Etappe gespannt, die uns bis zu den Sinterterassen von Egerszalok führen soll.

Dienstag – 17.07.2018 – Hortobagy <> Egerszalak
Bis zum Nationalparkzentrum von Hortobagy ist es nicht sehr weit. Direkt neben der Straße befindet sich ein großer Parkplatz neben einem typischen Touristenmarkt. Auf dem Markt werden natürlich die üblichen Touristenartikel angeboten. Wir haben bei früheren Reisen meistens etwas Landestypisches gekauft und zu Hause an irgendeiner passenden Stelle aufgehängt. An einem der Stände werden Peitschen angeboten, wie sie auch bei der Reitervorführung in der Bugac Puszta von den Reitern benutzt wurden. Die Verkäuferin zeigt den interessierten Touristen wie die Peitschen zu handhaben sind, insbesondere das „Knallen“ erfordert eine besondere Technik. Ich bin über den Preis dieser Peitschen überrascht. Die Preisspanne reicht von 50 bis 300 Euro – für eine Urlaubserinnerung ganz schön happig. Da uns sonst nichts gefällt, entscheiden wir uns für ein schönes Modell, das dann für 100 Euro den Besitzer wechselt. Auf dem Rückweg zum Wohnmobil begegnen wir zwei Motorradfahrern aus Deutschland. Die beiden vertilgen grade genüsslich eine Portion „Langos“. Haben wir noch nie probiert. Es ist nicht zu übersehen, mit welchem Genuss die beiden die Langos Fladen essen. Kurzentschlossen holen wir uns auch zwei Portionen. Die in Fett gebackenen Hefe Fladen werden mit Knoblauchwasser oder -öl eingepinselt und gesalzen und anschließend mit Sauerrahm oder Schafskäse belegt – ein Genuss. Gestärkt verlassen wir Hortobagy und die Puszta, um in Richtung Theiß See zu fahren. Um diese interessante Region etwas besser kennenzulernen, sollte uns unsere Route weiter im Süden über die Theiß führen. Leider ist die Brücke gesperrt und es bleibt uns nichts anderes übrig als nach Tiszafüred zurückzufahren. Schade, aber damit muss man rechnen. Entsprechend früh erreichen wir unser Tagesziel Egerszalok. Der Campingplatz ist Teil einer Hotelanlage zu der auch ein Thermalbad gehört. Ein Bad im angenehm warmen Wasser tut gut, dann gibt es Abendessen. Ich bin noch nicht ausgelastet und will schon mal den Weg zu den Sinterterrassen erkunden, die morgen auf unserem Programm stehen. Aus der Erkundung wird dann ein Fotoshooting der Terrassen mit dramatischer Abendbewölkung im Hintergrund. Konni ist zwar nicht mitgekommen, aber diese Gelegenheit konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen. Das soll uns aber nicht daran hindern, morgen noch einmal hierher zu gehen, um zu fotografieren. Das erste Sichten meiner Fotos auf meinem Laptop zeigt, dass sich der abendliche Weg gelohnt hat.  

Mittwoch – 18.07.2018 – Egerszalak <> Eger
Unser Campingplatz in Egerszalok war nicht schlecht, aber auch nicht so toll, um noch eine weitere Nacht zu bleiben. Nach intensivem Studium unserer Reise- und Campingführer beschließen wir, unseren Stellplatz nach Eger zu verlegen. Der bekannte Ort ist nur wenige Kilometer von Egerszalok entfernt, so dass uns genug Zeit bleibt, noch gemeinsam zu den Sinterterrassen zu gehen. Die Lichtverhältnisse sind mit denen vom Vorabend nicht zu vergleichen, aber einige schöne Fotos gelingen uns dann doch. Der Tulipan Campingplatz in Eger liegt nur einen guten Kilometer von der Stadtmitte entfernt im „Tal der schönen Frauen“. Nach den üblichen Arbeiten, um uns auf dem Campingplatz häuslich einzurichten, machen wir uns dann auf den Weg ins Zentrum von Eger. Unser erster Besuch gilt der Markthalle. Frisches Obst, Gemüse sowie Fleisch- und Wurstwaren werden appetitlich an verschiedenen Ständen angeboten. Im Obergeschoß der Markthalle gibt es einige Imbiss Stuben, die kleine Leckereien anbieten. Unsere guten Erfahrungen mit unserem ersten Langos in Hortobagy machen uns die Entscheidung was wir heute essen wollen leicht. Wir bestellen zweimal Langos mit Zwiebeln und Speck. Diese Variante schmeckt uns aber nicht annähernd so gut wie die einfache Version, die wir schon kennen. Schade, wir hatten mehr erwartet und sind nun doch etwas enttäuscht. Langos ist also nicht gleich Langos, diese Erfahrung haben wir jetzt gemacht. Das Highlight in Eger ist die Burg oberhalb der Stadt. Heute bleiben wir ja auf dem Campingplatz im „Tal der schönen Frauen“, also bleibt uns genügend Zeit für eine Besichtigung der Burg. Die Burg ist rundum renoviert und insgesamt in einem guten Zustand. Sie ist anders als Burg Sümeg aber irgendwie wiederholen sich die Eindrücke. Der Blick von der Burg über die Stadt Eger ist allerdings sehr beeindruckend. Auf einem erhöhten Platz stehen drei Kreuze, die die Verbundenheit des seinerzeitigen Burgherrn zur Kirche symbolisieren. Zurück auf unserem Campingplatz halten wir uns nicht lange im Wohnmobil auf. Auf der anderen Straßenseite bietet ein sehr rustikales Restaurant die Möglichkeit zum Abendessen. In einem zum Teil offenen Raum wird hier gekocht und auch gegessen. Das Gulasch mit hausgemachten Hirtennudeln ist lecker und auch der „Stierblut“ Wein schmeckt uns. Meine Bitte, im Weinkeller ein paar Fotos zu machen, stößt beim „Master des Weinkellers“ nicht auf Gegenliebe. Nachdem ich dann noch eine 1,5 Liter Plastikflasche Stierblut gekauft habe, erbarmt er sich schließlich und ich darf ihn beim Abfüllen von Wein fotografieren, verbunden mit der Bitte, die Fotos nicht zu veröffentlichen. Warum kann man sich ja denken, auch in Ungarn gibt es Finanzämter. Wie sich später herausstellt sind das Restaurant (Vater) und der Campingplatz (Sohn) familiär verbunden. Hier wird noch generationsübergreifend Hand in Hand gearbeitet. 

Donnerstag – 19.07.2018 – Eger <> Tokaj
Nach einer ruhigen sehr erholsamen Nacht geht es nach dem Frühstück weiter. Unser Tagesziel heißt Tokaj, bekannt für seine süßen Weißweine. Eine recht steile und kurvenreiche Straße führt uns durch den Bükki Nemzeti Park nach Miskolc. Kurz bevor wir Miskolc erreichen machen uns  Hinweisschilder in Lillafüred auf ein Schloss aufmerksam, das sich kurz darauf als ein Hotel entpuppt. Etwa 250 Meter vor einem prächtigen Gebäude, das durchaus ein Schloss sein könnte, finden wir einen Parkplatz für unser Wohnmobil. Nach einem kurzen Fußmarsch an der Straße entlang, zeigt sich das ehemalige Schloss in voller Größe. Die starke dunkle Bewölkung und die dichte Bewaldung hinterlassen eine etwas mystische Stimmung. Ein sehr schön angelegter Park mit vielen Blumen und ein naturbelassener Wasserfall geben uns Gelegenheit, uns die Beine zu vertreten und natürlich Fotos zu machen. Beim Rückweg zum Parkplatz gelingt noch ein Foto von einer außergewöhnlichen Lokomotive, die gerade einen Tunnel verlässt. Hinter Miskolc wird das Land wieder flacher und bereits abgemähte Kornfelder lassen den Blick ungehindert zu den bewaldeten Hügeln am Horizont schweifen. Der Campingplatz in Tokaj ist schnell gefunden. Die Einfahrt sieht recht einladend aus, aber die Stellplätze auf einer unbefestigten Wiese machen keinen sehr Vertrauen erweckenden Eindruck, zumal es kurz vorher heftig geregnet hat. Die Küche und die sanitären Anlagen sind nicht wirklich als solche zu identifizieren. Das sind die mit Abstand schlechtesten sanitären Anlagen, die wir bisher in Ungarn hatten. Das hindert uns allerdings nicht daran, ins kleine Zentrum von Tokaj zu gehen. Schließlich wollen wir den weltbekannten Tokajer probieren. Die Tische vor einem kleinen Restaurant sehen sehr einladend aus. Wir können nicht widerstehen und gönnen uns erst einmal ein frühes Abendessen. Zum panierten Hähnchen mit Süßkartoffeln und Gemüse trinken wir unser erstes Glas Tokajer – und sind begeistert. Ein leichter fruchtiger etwas spritziger Wein, der etwas entfernt an einen Grünen Veltliner erinnert, macht uns die Entscheidung im Anschluss an unser Essen in einem „Bor“ noch eine Weinprobe zu machen leicht. Am Hauptplatz von Tokaj ist das Rakoczi Pince nicht zu übersehen. Wir entscheiden uns für die Weinprobe in Verbindung mit einer kleinen Käseplatte und kaufen einige Flaschen trockenen Tokajer. Ein paar Häuser weiter finden wir eine weitere Weinhandlung. Hier gibt es den Wein, den wir zum Mittagessen getrunken haben und den wir unbedingt mit nach Hause nehmen wollen. Die Schlepperei der Weinflaschen zurück zum Campingplatz dauert zum Glück nicht allzu lange. Dann verkriechen wir uns in unser Wohnmobil und nutzen unsere eigenen sanitären Anlagen – geht auch.       

07.Etappe -Tokaj <>Ürom

Freitag – 20.07.2018 – Tokaj <> Aggtelek

Die Verhältnisse auf diesem Campingplatz können uns nicht zu einem längeren Bleiben motivieren. Die Lage an der Theiß ist zwar schön, aber der Rest des Platzes ist überhaupt nicht einladend. Uns hindert also nichts, sofort nach dem Frühstück aufzubrechen. Von Tokaj folgen wir dem Flusslauf des Bodrog, der bei Tokaj in die Theiß mündet, nordwärts. Die gute Straße bringt uns durch eine weitläufige Wiesenlandschaft nach Sarospatak und weiter nach Sàtoraljaujhely bis fast an die Grenze der Slowakei. Von hier geht es wieder durch eine bewaldete Hügellandschaft, die hin und wieder von Korn- und Sonnenblumenfeldern unterbrochen wird. Zwischen diesen Feldern entdecken wir eine Anpflanzung mit Holunderbeer Sträuchern. Die Sträucher sind ähnlich wie Weinreben in langen Reihen nebeneinander gepflanzt. So etwas haben wir noch nie gesehen. Eine überdachte unbewirtschaftete Raststation lädt uns zu einer kurzen Pause ein. Ein zweiter Kaffee und ein Stück Nuss Zopf sind ein willkommenes „zweites Frühstück“. Auf der anderen Straßenseite entdecken wir Laubbäume, deren Stämme vom Erdboden weg belaubt sind. Von weitem sieht es so aus, als ob die Bäume von einer Parasitenpflanze überwuchert sind. In dieser abgelegenen Gegend entdecken wir immer wieder Unbekanntes. Unsere Idee,so weit in den Osten von Ungarn zu fahren, war absolut richtig. Die Landschaft wird wieder flacher und wir erreichen die E71, eine breite gut ausgebaute Straße, die wieder in Richtung Miskolc führt. Da wollen wir natürlich nicht wieder hin, deshalb verlassen wir die E71 schon bald wieder um in Richtung Aggtelekki Nemzeti Park zu fahren. Eine große Rinderherde , die kurz vorher noch über die Straße getrieben wurde, liegt jetzt friedlich hinter einem Zaun. Wir sind froh, dieser Herde nicht auf der Straße begegnet zu sein, Es wäre bestimmt nicht einfach gewesen, den langen spitzen Hörnern auszuweichen. Am Beginn des Nationalparks machen große Tafeln auf Tropfsteinhöhlen aufmerksam. Die wollen wir uns natürlich gerne anschauen. Die erste Höhle, an der wir anhalten, ist leider schon geschlossen. Schade, aber wir erfahren, dass es in ca. 15km eine weitere Höhle mit einem angegliederten Campingplatz gibt. Das kommt uns sehr entgegen, denn inzwischen ist es schon Spätnachmittag geworden und wir haben uns noch nicht um einen Platz für die kommende Nacht gekümmert. Der Nomad Camping Aggtelek ist gut ausgeschildert und Platz gibt es auch in Hülle und Fülle. Beim Einchecken erfahren wir, dass in 10 Minuten die letzte Führung in die Baradla Höhle beginnt. Wir beeilen uns, unser Wohnmobil abzustellen und im Laufschritt zurück zum Höhleneingang zu laufen. Wir schaffen es gerade noch, unsere Eintrittskarten zu kaufen, dann geht es etwa 150 Stufen hinab in die Höhle. Schmale, gut ausgebaute Wege führen uns an Stalagmiten und Stalaktiten vorbei immer tiefer in die Höhle, die sich plötzlich zu einer riesigen natürlichen unterirdischen Halle öffnet. Unser Führer erklärt uns, dass es hier eine fantastische Akustik gibt und morgen ein Konzert stattfinden wird. Treppen führen zu einer Naturbühne, auf der die Musiker mit ihren Instrumenten sitzen, während die Zuschauer etwas tiefer das Konzert auf Klappstühlen genießen können. Wir überlegen noch, ob wir morgen auf dem Campingplatz bleiben sollten, um das Konzert zu hören, aber es gibt keine Eintrittskarten mehr. Insofern ist das Thema passe‘ und wir begnügen uns mit einem gemütlichen Abend unter der Markise unseres Wohnmobils.

Samstag – 21.07.2018 – Aggtelek <> Lörinci

Breits beim Auschecken kommen uns etliche Autos und auch Wohnmobile entgegen. Das sind bestimmt Besucher des abendlichen Konzertes, die sich einen guten Platz sichern wollen. Wir verlassen den angenehmen Campingplatz in südlicher Richtung und setzen unsere Fahrt durch den Aggtelek Nemzeti Park fort. Unsere Route führt uns zunächst immer in Nähe der slowakischen Grenze in Richtung Òzd am Rande des Bükk Gebirges und weiter nach Süden bis nach Tarnalelesz. Von dort fahren wir auf kleinen Nebenstraßen bis nach Parad, wo wir auf die B24 treffen. Diese Straße führt uns nach Matrahaza in die Nähe des 1.014m hohen Kèkestetö, dem höchsten Berg Ungarns. Bevor wir die Abzweigung zum Kèkestetö erreichen entdecken wir auf einem Hügel eine Kapelle mit einem angegliederten Friedhof. Für den kurzen Abstecher nehmen wir uns etwas Zeit. Schon von weitem ist zu erkennen, dass es ich um eine relativ neue gepflegte Anlage handelt, die mit dem verwilderten Friedhof den wir vor ein paar Tagen gesehen haben, nicht zu vergleichen ist. Auf den Gräbern liegen bzw. stehen zwar auch künstliche Blumen, aber die Gräber selbst und die Wege sind ausnahmslos in einem sehr guten Zustand. Unser Wohnmobil haben wir direkt neben einem Pflaumenbaum geparkt, der reichlich reife Früchte trägt. Eine Hand voll Pflaumen als kleiner Zwischensnack für die weitere Fahrt ist uns sehr willkommen. Die Abzweigung zum Kèkestetö ist gut beschildert und die in vielen Kurven bergauf führende Straße endet fast auf dem Gipfel. Knapp 50 Höhenmeter sind es noch vom Parkplatz zum höchsten Punkt, auf dem ein hoher Turm steht. Ein Aufzug bringt uns schnell und bequem auf den 176 m hohen Turm. Von der oberen Plattform haben wir einen tollen Blick über die Ebene im Westen des Matra Gebirges. Von dort oben können wir auch den Zieleinlauf eines Berglaufes gut einsehen, der heute stattfindet. Das erklärt auch die vielen Besucher, die heute hier unterwegs sind. Unsere Hoffnung auf einen Übernachtungsplatz in Matrafüred wird leider nicht erfüllt. Der Platz ist total ausgebucht. Es ist Samstag und wir sind in einer Ausfluggegend unterwegs, die von Budapest in weniger als einer Autostunde zu erreichen ist. Es bleibt uns nichts anderes übrig als weiter zu fahren und nach einer Alternative zu suchen. Nach langer Sucherei und einigen falschen, sicherlich unbeabsichtigten Auskünften von hilfsbereiten Einwohnern geben wir die Sucherei auf und stellen uns neben eine Tankstelle an der Hauptstraße, die nach Hatvan führt. Ich erkundige mich bei der Mitarbeiterin der Tankstelle und dem Besitzer eines Schnellrestaurants, ob wir hier bleiben können. Kein Problem lautet die Antwort von beiden. Es ist unsere erste „wilde“ Camping Nacht in Ungarn. Außer einem heftigen Gewitter, das dazu führt dass wir nicht fernsehen können, passiert nichts. Eine neue Erfahrung im Land der Magyaren.

Sonntag – 22.07.2018 – Lörinci <> Ürom

Bis Hatvan an der Autobahn M3 sind es nur ein paar Kilometer. Wir verzichten auf den schnellen Weg nach Budapest und bleiben auf der Landstraße, die fast immer parallel zur Autobahn auch in Richtung Budapest führt. Unser heutiges Ziel ist Ürom im Norden von Budapest und unsere geplante Route soll uns in einem weiten Boden um Budapest herum zunächst nach Vac an der Donau führen. Dort wollen wir mit der Fähre auf die andere Donau Seite übersetzen und dann von Norden kommend nach Ürom fahren.  In Gödöllö unterbrechen wir unsere Fahrt, um das „Gödöllöi Kiràlyi Kastèly“ zu besichtigen. Das Schloss liegt nur 25km nordöstlich von Budapest entfernt in der Stadt Gödöllö und war die bevorzugte Residenz der österreichischen Kaiserin und ungarischen Königin Elisabeth, besser bekannt unter dem Kurznamen Sisi. In unseren Reiseführern haben wir viel über Sisi gelesen und sind nun natürlich sehr interessiert, dieses Schloss zu besichtigen. Es sind ausreichend Parkplätze vorhanden und auch für unser Wohnmobil steht gleich neben dem Schloss Eingang ein großer Parkplatz zur Verfügung. Um 10:00 Uhr findet die erste Führung statt. Das passt gut in unseren Zeitplan. Die Führerin erläutert in englischer Sprache den seinerzeitigen Zweck der einzelnen Räume und geht auch etwas detaillierter auf das Leben der ungarischen Königin ein, die heute noch von den Ungarn geliebt und verehrt wird. Die Räume sind alle prachtvoll mit liebevollen Details ausgestattet und dank der Erläuterungen der Führerin können wir uns in die Zeit von Kaiserin Sisi zurückversetzen. Zum Abschluss der interessanten Führung gönnen wir uns noch einen Cappuccino im Gartencafe, dann geht es weiter nach Vac. An der Fähre müssen wir eine längere Wartezeit in Kauf nehmen. Auch hier macht sich der Ausflugsverkehr am Wochenende bemerkbar. Auf der Westseite der Donau versuchen wir bei der Fahrt in Richtung Budapest ein Hinweisschild zu unserem Campingplatz in Ürom zu entdecken. Der Campingplatz selbst ist nicht ausgeschildert, aber ein Schild zeigt uns die Richtung nach Ürom. Das reicht und kurz danach sehen wir auch das Schild „Jumbo Camping“. Ein schöner terrassierter Platz mit einem weiten Blick über das Tal. Ürom wird für die nächsten zwei Tage unser Basis Lager für die Erkundung von Budapest sein. Wir freuen uns schon auf die Hauptstadt von Ungarn.

 

08.Etappe – Budapest

Montag – 23.07.2018 – Budapest
Die nächsten beiden Tage gehören Budapest. Die Informationen in unseren Reiseführern sind so interessant und umfangreich, dass wir gut und gerne auch eine ganze Woche ohne Langeweile in Budapest verbringen könnten, doch unser restlicher Zeitplan würde dann nicht mehr passen. Wir wollen auf unserer Reise durch Ungarn ja noch an der Donau entlang bis nach Papa und weiter zur österreichischen Grenze fahren. Hier warten noch einige interessante Städte und Schlösser auf uns.   Ein starkes Gewitter führt zunächst einmal zu einer Ausdehnung unseres Frühstücks. Ein weiterer Kaffee und noch ein wenig blättern im Reiseführer vertreibt uns die Zeit bis der Regen aufhört.  Zur Busstation in Ürom sind es nur etwa 600 Meter, also nur gut 10 Minuten Fußweg. Der Bus ist ziemlich pünktlich und nach etwa 30 Minuten erreicht er „Arped hit“. Hier müssen wir in einen weiteren Bus umsteigen, da die Metro aktuell renoviert wird. Gemeinsam mit einem Ehepaar aus den Niederlanden suchen wir vergebens die Busstation, gehen dabei aber schon in Richtung Zentrum. Schließlich finden wir die Station, fahren mit dem Bus noch 2  weitere Stationen und anschließend mit der Metro bis ins Zentrum zum Deak Ferenc tèr. Rund um diesen zentralen Platz stehen die „HopOn – HopOff“ Busse verschiedener Unternehmen. Wir haben in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit einer HopOn-HopOff – Tour gemacht, um unsere Stadterkundungen zu beginnen. Im Touristencenter kaufen wir ein 48-Stunden Ticket und los gehts. Das heißt, so schnell geht es dann doch nicht los. Um schon während der Busfahrt fotografieren zu können, warten wir auf einen Bus mit offenem Oberdeck. Nach 30 Minuten wird uns die Sache zu langatmig und wir akzeptieren dann doch einen Bus mit Dach. Die Tour führt uns zunächst zum Platz der Helden und anschließend auf die andere Seite der Donau nach Buda. Nach zwei Stunden erreichen wir wieder den Deak Ferenc tèr. Der Hunger macht sich bemerkbar und wir schauen bei unserem Bummel durch den Erszebet tèr nach links und rechts, um ein Restaurant zu finden. Unter einer ausladenden Markise ist noch ein Tisch am Rande eines Restaurants frei. Die Speisekarte ist international, also keine ungarische Küche, aber sehr gut. Ein lautes Grummeln und die ersten Regentropfen vertreiben uns von unserem Platz unter der Markise. Zum Glück sind wir mit unserem Essen bereits fertig. Auf einen Cappuccino wollen wir aber nicht verzichten. Das Restaurant gehört zum exclusiven Hotel Kempinski. Neben der Lobby gibt es eine kleine Bar, wo wir unseren Cappuccino bekommen. Das Gewitter hat sich wieder verzogen und für den Weg zurück zur Metrostation können wir unsere Schirme in unseren Rucksäcken lassen. Der Weg mit Metro und Bus ist ja jetzt bekannt, so dass wir nach einer knappen Stunde schon wieder zurück in Ürom auf unserem Campingplatz sind. Die Rundfahrt mit dem HopOn-HopOff Bus hat uns einige Plätze gezeigt, die wir morgen gezielt besuchen wollen, darunter natürlich auch das imposante Parlamentsgebäude, die Markthalle, die Kettenbrücke usw. Ein anstrengender langer Tag wartet morgen auf uns, also früh ins Bett und morgen früh aus den Federn.

Dienstag – 24.07.2018 – Budapest
Das Wetter sieht heute sehr vielversprechend aus. Wir nehmen den Bus um 09:15 und steigen bereits um 10:00 Uhr am Deak Ferenc tèr aus. Jetzt haben wir richtig viel Zeit um unsere ToDo-Liste „abzuarbeiten. Mit einem HopOn-HopOff Bus geht es erst einmal wieder durch die Stadt. Am Szèchenyi Istvàn ter steigen wir aus und bummeln ein wenig am Ufer der Donau entlang. Dabei fallen uns Ausflugsschiffe auf, die etwa 2 Stunden lang die Donau Fluss ab- und wieder Fluss aufwärts fahren. Das bietet uns eine gute Gelegenheit, verschiedene Gebäude aus einer anderen Perspektive zu sehen und zu fotografieren. Kurzentschlossen kaufen wir zwei Tickets und 45 Minuten später sitzen wir auf dem Außendeck und hören den  Informationen der Tourbegleiterin aufmerksam zu. Wie erwartet bieten sich ganz andere Perspektiven, zum Beispiel ein Blick auf die Westseite des Parlamentsgebäudes und auf die Türme der Budaer Burg. Zusätzlich zu den interessanten Informationen und den hervorragenden Fotomotiven können wir auf dem Außendeck noch die Sonne genießen, die uns heute verwöhnt. Unsere Zeit auf dem Schiff geht viel zu schnell  vorbei, aber die zwei Stunden haben sich wirklich gelohnt. Nicht weit von der Anlegestelle unseres Schiffs befindet sich die Markthalle. Es ist Mittag geworden und der Hunger meldet sich so langsam. Die Markthalle in Budapest ist natürlich viel größer als die Halle, die wir in Eger gesehen haben. Beim Bummel durch die Gänge entdecken wir leider kein einladendes Restaurant oder einen Imbiss. Wir sind ein wenig enttäuscht. Der Hunger lässt aber nicht nach. Deshalb fahren wir mit dem HopOn-HopOff Bus wieder zum Deak Ferenc tèr und bummeln auf der Suche nach einem Restaurant durch kleinere Seitenstraßen. Auf der Speisekarte des „Basalikom pèksèg“ finden wir neben einem internationalen Angebot auch typisch ungarische Gerichte. Eine vegetarische Platte mit gedünsteten Paprika, Tomaten, Zwiebeln und viel Knoblauch ist genau das Richtige für uns. Konni bestellt sich Limonade, ich gönne mir ein Glas Rosè. Zum Nachtisch gibt es Topfenknödel in Brotbröseln mit Sauerrahm, Frischkäse und Marmelade und natürlich einen Cappuccino. Es schmeckt nicht nur ausgezeichnet, wir sind auch rundum satt und fühlen uns wie die vor dem Restaurant stehende Bronzefigur. Wie gut, dass wir unsere Erkundungstour mit dem HopOn-HopOff Bus fortsetzen können. Über die Kettenbrücke bringt uns der Bus auf die Budaer Seite und hinauf zur Zitadelle. Von dort haben wir einen tollen Blick über ganz Budapest und die Donau. Der Blick auf das imposante Parlamentsgebäude veranlasst uns, noch einmal dorthin zu fahren. Wir möchten diese Attraktion von Budapest auch noch einmal aus der Nähe sehen. Auch von der Ostseite ist dieses Gebäude sehr beeindruckend. Wir lassen uns viel Zeit und gehen einmal um das Gebäude herum. Für eine Besichtigung der Räumlichkeiten ist es allerdings leider schon zu spät. Etwas Pflastermüde suchen wir uns den Weg zurück zum Deak Ferenc tèr. Die Fahrt mit der Metro und den Bussen zurück zum Campingplatz ist uns ja gut bekannt. Die Temperaturen sind im Laufe des Tages immer höher geworden und wir sind froh die letzten Meter zurück zum Campingplatz hinter uns gebracht zu haben. Ein Sprung in den kleinen Pool, danach eine warme Dusche. Dann hängen wir mit einem kühlen Bier vor unserem Wohnmobil ab und lassen diesen schönen Tag voller neuer Eindrücke noch einmal an uns vorüberziehen. Budapest ist wirklich schön.     

 

09.Etappe – Ürom <> Melk

Mittwoch – 25.07.2018 – Ürom <> Papa

So langsam neigt sich unsere Ungarnreise dem Ende zu. Von unserem Campingplatz werden wir in dem großen Bogen gegen die Fließrichtung erst einmal der Donau folgen. In Visegrad thront das Schloss Visegrad sehr exponiert auf einem Hügel und bietet seinen Besuchern einen sehr schönen Blick auf die Donau, die hier nach Süden abbiegt. Unterhalb des Schlosses bietet sich auf dem Randstreifen ein Parkplatz für unser Wohnmobil an. Wir überlegen kurz, ob wir zum Schloss hinauf fahren sollen, begnügen uns dann aber mit einem kurzen  Spaziergang am Donau Ufer. Der breite Fluss fließt hier sehr ruhig und langsam in Richtung Budapest. Auf der gegenüberliegenden Seite reihen sich ein paar Häuser am Ufer aneinander. Sie stehen noch auf ungarisachem Territorium, aber die Grenze zur Slowakei ist nicht weit. Nach ein paar Kilometern mit dem Wohnmobil machen Schilder uns auf die Kathedrale von Eszergom aufmerksam. Auf der Ostseite können wir unser Wohnmobil abstellen und einige Fotos von dem imposanten Gebäude machen. Unsere Reiseplanung sieht einen Abstecher nach Süden vor. Das Ziel heißt Tata und anschließend zurück zum Donau Ufer, wo wir dann in Komàrom übernachten wollen. Ein Blick in den Reiseführer zeigt uns, dass es in Tata zwar eine hübsche Innenstadt und eine Burg gibt, aber leider keinen Campingplatz. Die Entscheidung auf den Abstecher nach Tata zu verzichten fällt uns nicht schwer. Die Fahrt immer in Ufernähe der Donau hat auch ihre Reize. Ohne weitere Pause fahren wir bis Györ. Hier ist es dann Zeit fürs Mittagessen. Nach etwas Sucherei zeigt uns ein freundlicher Bewohner der Stadt einen guten Parkplatz für unser Wohnmobil in der Nähe des Bahnhofs. Ein Fußweg führt uns an dem prächtigen Rathaus und an der Kathedrale von Gyor vorbei zu einem großen Platz. Die netten Tische des Pàlffy Ètterem erinnern uns daran, dass es Zeit für unser Mittagessen ist. Während Konni ein Zanderfilet isst, probiere ich eine Gulaschsuppe. Diesmal erfüllt die Schärfe meine Erwartung – sonst wäre ich auch von der ungarischen Küche etwas enttäuscht gewesen. Mit einem leckeren Cappucino und einem Amarena Becher runden wir unser Mittagessen ab. Während sich die Donau hier etwas nach Norden wendet und der slowakischen Grenze folgt, halten wir uns südwärts in Richtung Papa. Der Campingplatz in Papa wurde in unserem Campingführer sehr empfohlen. Die Beschilderung in Papa ist gut und nachdem wir unseren mit Hecken abgeteilten Platz gefunden haben, steht einem Besuch des angegliederten Thermalbades nichts mehr im Wege. Morgen werden wir vorraussichtlich Ungarn verlassen. Deshalb genießen wir heute das schöne Thermalbad noch einmal ausgiebig.

Donnerstag – 26.07.2018 – Papa <> Melk

Der Weg vom Campingplatz in die Innenstadt von Papa ist nicht sehr weit. Ein Parkplatz in Zentrumsnähe ist auch schnell gefunden und der Fußweg zum Schloss Esterhàzy, dass fast im Zentrum von Papa steht, dauert nicht lange. Das aus dem 14. Jahrhundert stammende Schloss wurde in Hufeisenform erbaut und in den letzten Jahre umfangreich renoviert. Eine Besichtigung war wegen noch immer andauernder Renovierungsarbeiten leider nicht möglich. Ein in der Nähe stehendes Haus mit einer interessanten ungewöhnlichen Architektur erregt sofort unsere Aufmerkamkeit. Ein schönes Motiv für ein paar Fotos. Am großen zentralen Platz vor der Kirche finden wir ein Cafe` mit Tischen unter Schatten spendenden Sonnenschirmen. Es ist Zeit für eine Pause und einen Cappuccino. Wir verlassen Papa und fahren nach Norden bis wir bei Csorna die B85 erreichen, die uns weiter nach Westen zur österreichischen Grenze führen soll. Die gut ausgebaute Straße bringt uns schneller als erwartet nach Fertöd. Uns bleibt also noch genug Zeit, um uns das prunkvolle Schloss anzuschauen, das übrigens auch Schloss Esterhàzy heißt. Bereits das zum weitläufigen Vorhof führende schmiedeeiserne Eingangstor mit einer vergoldeten Krone vermittelt uns das Gefühl von Eleganz und Luxus. Eine Führung durch das Schloss ist erst um 15:00 Uhr möglich. Das ist uns ein wenig zu spät und wir begnügen uns mit einem Rundgang durch den sehr schön angelegten Paradeplatz, der sich vor dem Haupteingang des Schlossgebäudes befindet. Fotografieren lohnt sich hier und unsere Kameras kommen noch einmal richtig zum Einsatz. Vor dem Schloss können wir dem Angebot auf der Speeisekarte nicht widerstehen. Zanderfilet mit Reis und Gemüse ist leicht verdaulich und gerade richtig, da wir heute noch eine lange Fahrstrecke vor uns haben. Allerdings können wir den „ungarischen Dukatennudeln“ nicht widerstehen – eine süße Leckerei – ein schöner kulinarischer Abschluss für unsere Ungarnreise. Unser Wohnmobil steht in der Nähe auf einem Parkplatz, auf dem auch in Verkaufsständen verschiedene typisch ungarische Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände angeboten werden. Nach dem wir unsere Forint Bestände noch einmal geprüft haben kaufen wir Honig, Paprikapaste und auch eine geklöppelte Tischdecke. So werden wir unsere letzten Forint los. Der Rücktausch in Deutschland hätte sich nicht gelohnt. Die anschließende Fahrt nach Sopron und zur österreichischen Grenze geht schneller als gedacht. Die südliche Umfahrung von Wien auf kleinen Nebenstraßen dauer dagegen deutlich länger. Wir kommen noch einmal nach Berndorf wo wir bei der Anreise auf dem Campingplatz Masei Mara übernachtet haben. Jetzt hat uns aber das Rückreisefieber gepackt und es drängt uns in Richtung Heimat. Wir nutzen das gute Wetter und erreichen bei Tageslicht St.Pölten und wenig später Melk an der Donau. Unterhalb des Klosters ist ein Wohnmobilstellplatz ausgeschildert. Gegen Entrichtung einer Gebühr kann man hier über Nacht bleiben und sogar Strom und Frischwasser bekommen. Wir nutzen weder Strom noch Frischwasser, wir übernachten autark. Beim abendlichen Spaziergang nach dem Essen präsentiert ich das hoch über uns thronende Kloster im warem Abendlicht. Noch ein paar Fotos, dann ab ins Bett und für die morgige lange Fahrt nach Hause energie tanken. 

 

10.Etappe – Melk <> Schwelm

Freitag – 27.07.2018 – Melk <>Schwelm
Fast 900 Kilometer Fahrstrecke liegen heute vor uns. Entsprechend früh verlassen wir den Stellplatz in Melk und fahren auf der B3 bis nach Linz. Auf dem Weg dorthin begleitet uns die Donau noch über weite Strecken und bietet uns interessante Spiegelungen der Uferlandschaft. In der Nähe von Grein macht die Donau einen scharfen Knick, wodurch sich die Gelegenheit ergibt, besonders schöne Spiegelungen der Häuser von Grein zu fotografieren. Die Fahrt durch die Innenstadt von Linz zieht sich etwas in die Länge. So dichten Verkehr sind wir überhaupt nicht mehr gewohnt. Nach Linz folgen wir dann der gut ausgebauten B 129, die uns zügig nach Schärding zur deutschen Grenze und wenig später zur Autobahn(A3) bringt. Diesen Teil der A3 kennen wir nicht besonders gut. Am Rande der Hügel des Bayerischen Waldes führt die Autobahn in ständigem Auf- und Ab über Regensburg und Würzburg nach Wertheim. Wie üblich unterbrechen wir hier unsere Rückreise und legen eine Pause bei McDonald`s ein. Gegenüber von McDonald`s wurde ein auf den Kopf gestelltes Haus erbaut, das man besichtigen kann. Der Gang durch die witzigen Räume, in denen die gesamte Einrichtung an der Decke hängt, ist eine wilkkommene Abwechslung für uns. Wir posieren vor in den verschiedenen Zimmern und sind erstaunt, was dabei herauskommt.  

Am späten Abend kommen wir in Schwelm an. Unsere Ungarnreise ist damit zu Ende, aber in den nächsten Wochen werden wir die vielen Fotos sichten und unsere Reise ins Land der Magyaren noch einmal nacherleben. Dabei werden wir feststellen, dass wir zwar sehr viel von Ungarn gesehen haben, aber lange noch nicht alles. Ein Grund noch einmal nach Ungarn zu reisen, wenn – ja, wenn es nicht so viele andere Ziele gäbe, die uns im Kopf herumschwirren.
Die nächste Reise ist schon in Vorbereitung – wir verraten noch nicht, wohin es geht.